Wie aus zwei Männern, der Reparatur von Nadeldruckern und viel Neugier eine Software entstand, die heute in Werkstätten im gesamten DACH-Raum im Einsatz ist. Die Geschichte von Peter Ringhut, den Anfängen von KSR, der Entwicklung von WERBAS//KSR VCS und einem Generationswechsel, der seit Jahren vorbereitet wurde.
1989 besuchte Peter Ringhut einen Abendkurs für Elektronik in Ulm. Der gelernte Feinmechaniker betreute und reparierte damals Matrixdrucker. Im Kurs lernte er Rolf König kennen. Beide begeisterten sich für den PC, zu einer Zeit, als Computer in vielen Betrieben noch die Ausnahme waren.
König brachte die Idee auf, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen. Gesagt, getan: „Wir haben erst einmal alles rund um Computer und Technik angeboten“, erinnert sich Ringhut. Dazu gehörten Hardware, Service, das Einrichten von Rechnern und die Wartung von Druckern.
Software spielte zunächst keine Rolle. Dafür war von Anfang an etwas anderes da: Neugier auf Technik, Offenheit für neue Wege und der Wunsch, praktische Probleme mit digitalen Mitteln einfacher zu lösen.
Diese Haltung sollte KSR über viele Jahre prägen.
Ein Kontakt aus einer Meisterausbildung brachte schließlich die entscheidende Idee. Ringhut vertrat dort einen Lehrer im EDV-Unterricht und lernte den Sohn eines Malermeisters kennen, dessen Familie einen Karosserie- und Lackierfachbetrieb im Ulmer Umland führte.
Dieser brachte eines Tages die grüne Schwacke Liste mit. Auf tausenden dünnen Seiten standen Informationen zu Fahrzeugen, Bauteilen, Beschädigungsstufen, Zeiten und Preisen.
Für eine Kalkulation mussten die passenden Werte gesucht, kombiniert und anschließend mit dem Taschenrechner berechnet werden.
„Stell dir das mal vor: Bücherstapel oben, Bücherstapel unten, und du mittendrin mit dem Taschenrechner. Für jede Kombination ein Abzug, und kommt ein neues Modell, blätterst du wieder von vorne“, erinnert sich Ringhut.
Die EDV bedeutete im Vergleich zur manuellen Kalkulation einen Quantensprung. Daten konnten schneller gefunden und Berechnungen einfacher durchgeführt werden.
Ringhut und König sahen darin die Chance, einen aufwendigen Arbeitsablauf digital abzubilden und den Betrieben die tägliche Arbeit zu erleichtern.
„Wir sind einfach gefragt worden, haben eine große Schnauze gehabt und gesagt: Wir probieren es mal.“
Dieser Satz beschreibt mehr als den Start eines Softwareprojekts. Er steht für eine Haltung: ausprobieren, zuhören, lernen und eine Lösung entwickeln, die in der Praxis funktioniert.
1991 entwickelten Ringhut und König ihre erste Lösung auf MS-DOS. Für die Anwender wurde die Kalkulation damit deutlich einfacher.
Gleichzeitig lernten die beiden immer besser, wie die Betriebe arbeiteten, welche Informationen gebraucht wurden und wo digitale Unterstützung sinnvoll war.
Mit Windows 3.1 eröffneten sich ab 1993 neue Möglichkeiten. Ringhut und König entschieden sich, ihre Software neu zu entwickeln und vollständig auf Windows auszurichten.
„Ein mutiger Schnitt“, sagt Ringhut heute, „aber es war der richtige Zeitpunkt.“
Mitte der 1990er Jahre gehörte ihre Lösung zu den frühen vollwertigen Windows Anwendungen für Werkstätten. Fahrzeugteile konnten grafisch ausgewählt werden. Statt sich durch Tabellen zu arbeiten, klickten Anwender direkt auf die entsprechenden Bereiche des Fahrzeugs.
1997 arbeiteten bereits rund 50 Werkstätten mit der Software. Der Kalkulationsanbieter eurotax Schwacke wurde auf KSR aufmerksam und bot eine Zusammenarbeit an: KSR entwickelte die Software, eurotax Schwacke übernahm den Vertrieb.
In dieser Zeit kam Marco Senger hinzu, ein Kommilitone Ringhuts. Er brachte seine Stärken im Vertrieb und in der Präsentation ein und trug damit zur weiteren Entwicklung des Unternehmens bei.
Später übernahm KSR den Vertrieb selbst, zunächst in Deutschland, anschließend auch in Österreich und der Schweiz. Dadurch rückte das Unternehmen noch näher an die Betriebe und ihre täglichen Abläufe.
Auch die Anforderungen in den Werkstätten entwickelten sich weiter. Ein Unfallschaden bestand längst nicht mehr nur aus Kalkulation und Rechnung.
Kostenvoranschläge, Fotos, Versicherungsfreigaben, Dokumentationen und Termine mussten zusammengeführt werden. Ringhut erinnert sich an die ersten Digitalkameras mit Diskettenlaufwerk. Die Bilder wurden auf 3,5 Zoll Disketten gespeichert und dem jeweiligen Auftrag zugeordnet.
„Das war der erste Moment, in dem es nicht mehr um Einzelaufgaben ging, sondern um Prozesse.“
Mit der Zeit wurden immer mehr Arbeitsplätze miteinander verbunden. Schnittstellen zu Versicherern und Kalkulationssystemen kamen hinzu. Später folgten Anwendungen für den Browser und mobile Geräte.
Damit konnten Büro, Werkstatt und Geschäftsführung zunehmend mit denselben Informationen arbeiten. Zeiterfassung, Teilebuchung und Planung wurden ebenfalls in die digitalen Abläufe eingebunden.
Aus einzelnen Funktionen entwickelte sich Schritt für Schritt eine Lösung für den gesamten Werkstattprozess.
Der direkte Austausch mit den Betrieben war für die Entwicklung von KSR von Beginn an entscheidend.
Dabei ging es Peter Ringhut nie darum, jede einzelne Anforderung einfach in Software zu übersetzen. Entscheidend war, zu verstehen, welches Problem dahinterstand und wie es sich im Arbeitsalltag sinnvoll lösen ließ.
„Man muss gut zuhören, um am Ende eine Lösung vorzuschlagen, die vielleicht so gar nicht angefragt war, aber das eigentliche Problem löst.“
Der Werkstattalltag kennt viele Besonderheiten. Gleichzeitig darf über einzelnen Sonderfällen der Blick auf die täglichen Abläufe nicht verloren gehen.
Deshalb bedeutete Kundennähe für KSR immer mehr als das Sammeln von Wünschen. Es ging darum, Betriebe zu verstehen, Erfahrungen einzuordnen und daraus Lösungen zu entwickeln, die möglichst vielen Anwendern im Alltag helfen.
Diese Haltung ist über Jahrzehnte gewachsen. Sie verbindet Werkstattnähe mit technischem Verständnis und der Bereitschaft, bestehende Lösungen immer wieder zu hinterfragen.
Heute ist sie nicht mehr an Peter Ringhut oder einzelne Personen gebunden. Sie ist Teil der Arbeitsweise und damit Teil der DNA von WERBAS//KSR.
2020 zeichnete sich für Ringhut ab, dass die Anforderungen an Werkstattsoftware weiter steigen würden. Cloud Technologien gewannen an Bedeutung, IT-Sicherheit wurde wichtiger und moderne Softwareentwicklung erforderte mehr Spezialisierung und größere Ressourcen.
Der Zusammenschluss von WERBAS und KSR war für ihn deshalb ein konsequenter Schritt.
WERBAS brachte viel Erfahrung in Service, Mechanik, Nutzfahrzeugen und Markenbetrieben mit. KSR seine Erfahrung in Karosserie und Lack, Schadenabwicklung, Versicherungsprozessen und Steuerung.
Gemeinsam entstand ein Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitenden. Aufgaben konnten stärker spezialisiert und Wissen breiter verteilt werden. Hinzu kam die Erfahrung der GENII Software Group.
Mit dem Zusammenschluss wuchs nicht nur das fachliche Know how. Auch die gemeinsame Basis wurde breiter: nah an den Betrieben bleiben, Veränderungen früh erkennen und neue Technologien dort einsetzen, wo sie den Arbeitsalltag verbessern.
Auf dieser Grundlage entstand auch die cloudbasierte Lösung NXT, die von Beginn an auf moderne Technologien und den Einsatz von KI ausgerichtet wurde.
„Eine ganz andere Welt“, sagt Ringhut.
Die Technik hat sich seit 1989 grundlegend verändert. Die Neugier auf neue Möglichkeiten ist geblieben.
Zum 30. September 2026 zieht sich Peter Ringhut aus dem operativen Geschäft von WERBAS//KSR zurück. Der Schritt wurde über mehrere Jahre vorbereitet.
Bereits im März 2022 verkaufte er die Mehrheit seiner Anteile. Gemeinsam mit dem Investor und Dennis Koblowsky entstand ein langfristiger Plan, der auch die Fusion von WERBAS und KSR begleitete.
„Am Ende dieses Prozesses stand von Anfang an mein Ausstieg.“
Ein wesentlicher Teil des Übergangs bestand darin, Wissen und Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen.
Matthias Triska trägt Verantwortung in der Entwicklung. Martin Wiesmüller und sein Team kümmern sich mit Spezialisten um die Produktbereiche.
„Loslassen muss man auch erst lernen. Aber wenn du siehst, dass die Leute engagiert sind und das können, dann fällt es leicht.“
Genau darin zeigt sich auch, wie der Generationswechsel vorbereitet wurde. Es ging nicht nur darum, Aufgaben zu übergeben. Wissen, Erfahrung und Verantwortung sollten dauerhaft im Unternehmen verankert sein.
Für die nächste Generation sind Ringhut vor allem drei Dinge wichtig: nah an den Kunden bleiben, Wissen teilen und gute Ideen auch umsetzen.
„Nicht lange reden, sondern auch machen. Agil bleiben.“
Von der manuellen Kalkulation mit dem grünen Schwacke Buch über DOS und Windows bis zu vernetzten Werkstattprozessen und Cloud Lösungen: Peter Ringhut hat einen großen Teil der Digitalisierung von Karosserie und Lackierbetrieben begleitet und KSR entscheidend mitgeprägt.
Was als Versuch zweier Computerbegeisterter begann, entwickelte sich über mehr als drei Jahrzehnte gemeinsam mit den Betrieben weiter.
Dabei blieb ein Grundsatz konstant: genau hinsehen, zuhören, das eigentliche Problem verstehen und daraus eine Lösung für die Praxis entwickeln.
Diese Haltung ist heute nicht mehr an Peter Ringhut gebunden. Sie ist in den Teams, im Wissen über die Branche und in der Art verankert, wie WERBAS//KSR Produkte entwickelt und mit seinen Kunden arbeitet.
Was Peter Ringhut aufgebaut und mitgeprägt hat, gehört damit heute zur DNA von WERBAS//KSR.
Sein Rückzug aus dem operativen Geschäft ist deshalb kein Schlusspunkt. Verantwortung und Wissen sind breit verteilt, die Nähe zu den Betrieben bleibt und auch die Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren.
Wenn Sie sehen möchten, wie sich dieser Weg mit NXT fortsetzt, finden Sie hier weitere Informationen: